Gedanken zum 4. Fastensonntag

Liebe Freunde,

 

da wir nun am 2. Wochenende keine Gottesdienste mehr feiern sollen, möchte ich besonders die älteren Menschen auf diesem Wege besonders herzlich grüßen.

Wir Alte sind ja doppelt bedroht:

  1. durch das Virus, das bei uns schlimmere Folgen haben kann als bei den Jüngeren und
  2. durch die Verachtung der alten Menschen, die hier und da wieder aufzuflackern droht z.B. durch Aussagen von Meike Lobo, die mitteilte, dass „alte Menschen sterben, sei eine der gesündesten Vorgänge der Welt“… Und in einer Satire von Funk über das Virus heißt es: „Es rafft die Alten dahin … das ist nur gerecht, immerhin hat die Generation 65+ den Planeten an die Wand gefahren.“

Pandemie als Strafe Gottes?

 

Morgen am 4. Fastensonntag hören wir im Evangelium von einem Mann, der von Geburt an blind war. Ist seine Blindheit Strafe Gottes? Die Jünger fragen Jesus:

„Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, so dass er blind geboren wurde?“

Jesus antwortete: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt,

sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.“

Wir kennen die Geschichte, der Blinde wird geheilt und bekennt sich zu Jesus.

Er bekam eine neue Sicht auf die Welt, auf seine Mitmenschen, auf sich selbst, auf Gott.

 

Die Geschichte zeigt uns, dass nichts bleibt wie es war, wenn wir mit Gott rechnen,

wenn wir auf ihn vertrauen.

Uns aufgeklärten Menschen fällt es schwer, unser Leben ganz Gott zu überlassen.

Möge die derzeitige Krise uns die Augen öffnen, neu auf diese Welt zu blicken und

behutsam mit den Gaben Gottes umzugehen.  Lass uns neu erkennen, wie gut es tut,

wenn mehrere Generationen sich gegenseitig bereichern können.

 

Hier noch eine Geschichte, die uns wieder Mut machen kann:

 

Generationen

 

In Mazedonien war es in früherer Zeit üblich, dass die alten Menschen,

wenn sie krank und gebrechlich waren, auf den Bergen ausgesetzt wurden.

Eines Tages trug ein junger Bauer seinen alten Vater ins Gebirge.

Als er ihn dort aussetzen wollte, bat der Vater, ihn noch ein Stück weiter hinaufzutragen.

Auf die Frage, warum ihn der Ort nicht gefalle, meinte der Alte:

„Bis hierher habe ich meinen Vater getragen,

und ich möchte gern an einem anderen Ort sterben.“

Da fiel dem jungen Bauern ein, dass es ihm in etwa 30 Jahren ebenso ergehen werde.

Er kehrte mit seinem Vater um und verbarg ihn zu Hause.

Aber nun fiel den Nachbarn auf, dass der Hof dieses jungen Bauern aufblühte.

Und sie überlegten, dass da noch jemand sein müsse,

der den Jungen mit Erfahrungen und Ratschlägen unterstütze.

Sie fragten nach, und als sie die Wahrheit erfuhren, machten sie es ihm nach.

 

Es freut mich sehr, dass in unserem Dorf die ältere Generation immer willkommen ist. Ehrenamtliche kümmern sich intensiv, um UNS ein paar schöne Stunden zu bereiten

und WIR geben zurück, was in unseren Kräften steht.

GK                  22. März 2020