Gründonnerstag 2020


“Die Kompliziertheit und Schwere der augenblicklichen Krise besorgt uns zu Recht, doch müssen wir mit Realismus, Vertrauen und Hoffnung die neuen Verantwortungen übernehmen, zu denen uns das Szenario einer Welt ruft, die einer tiefgreifenden kulturellen Erneuerung und der Wiederentdeckung von Grundwerten bedarf, auf denen eine bessere Zukunft aufzubauen ist. Die Krise verpflichtet uns, unseren Weg neu zu planen, uns neue Regeln zu geben und neue Einsatzformen zu finden, auf positive Erfahrungen zuzusteuern und die negativen zu verwerfen. So wird die Krise Anlass zu Unterscheidung und neuer Planung. In dieser eher zuversichtlichen als resignierten Grundhaltung müssen die Schwierigkeiten des gegenwärtigen Augenblicks in Angriff genommen werden.“
– Benedikt XVI., Caritas in veritate

Diese Sätze formulierte unser emeritierter Papst in seiner nach der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 erschienen Sozialenzyklika und obgleich wir uns wohl in einer weitreichenderen Krise als damals befinden, behalten besagte Sätze Ihre Gültigkeit, spenden Mut und zeigen einen Weg nach vorne auf. Der Mensch entwickelt sich, wenn er im Geist wächst, wenn seine Seele sich selbst und die Wahrheiten erkennt, die Gott ihr keimhaft eingeprägt hat, wenn er mit sich selbst und mit seinem Schöpfer redet. Fern von Gott ist der Mensch unstet und krank.

Du rufst uns Herr, trotz unserer Schuld / denn größer als alle Schuld ist Deine Liebe – Kyrie eleison
Lass uns glauben an Deine Liebe / mit Vertrauen kommen zu Dir – Christe eleison
Komm uns zur Hilfe, dass wir nicht wanken / was uns auch zustößt sei unser Halt – Kyrie eleison

Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. – 1 Kor 11, 23-26

In der Lesung des heutigen Tages hören wir das älteste Zeugnis der Worte, die in jeder Eucharistiefeier über Brot und Wein gesprochen werden: Paulus erinnert die Gemeinde in Korinth an den Ursprung dieser Feier. Sein Anlass dazu ist, dass die Mitglieder der Gemeinde mit ihrem Leben nicht dem gefeierten Ereignis gerecht werden. Sie teilen Brot und Wein, sind aber nicht bereit, in ihrem Alltag mit anderen zu teilen.
Eine Zusammenkunft, wie in Leonardo da Vincis‘ Illustration des letzten Abendmahles, ist genauso wie die daraus abgeleitete Eucharistiefeier im gewohnten Kreis in diesen Tagen in Houverath – wie an vielen anderen Orten in der Welt – nicht möglich. Für viele von uns ist das eine schmerzhafte und ungewohnte Erfahrung, da wir seit unserer Kindheit den sonntäglichen Gottesdienst kennen und schätzen. Auf der anderen Seite lehrt dies, dem Gottesdienst und somit auch unserer eigenen Gottesbeziehung mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken und eröffnet die Möglichkeit neue Formen und Facetten desselben kennenzulernen, um so zu einem gefestigten Glauben zu kommen.

“Herr, Gott, großes Elend ist über mich gekommen. / Meine Sorgen wollen mich erdrücken. / Ich weiß nicht ein noch aus. / Gott, sei mir gnädig und hilf! / Gib Kraft zu tragen, was Du mir schickst. / Lass die Furcht nicht über mich herrschen, / sorge Du väterlich für die Meinen.
Barmherziger Gott, vergib mir alles, / was ich an Dir und den Menschen gesündigt habe. / Ich traue Deiner Gnade und gebe mein Leben ganz in Deine Hand. / Mach Du mit mir, wie es Dir gefällt / und wie es gut für mich ist. / Ob ich lebe oder sterbe, / ich bin bei Dir, / und Du bist bei mir, mein Gott. / Herr, ich warte auf Dein Heil und auf Dein Reich.“ – Dietrich Bonhoeffer

Aller, die in Ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. – A: Erbarme dich, Herr!
Aller, die an einer schweren Krankheit leiden. – A
Aller, die Opfer von Seuchen und Epidemien werden. – A
Aller, denen es an ärztlicher Versorgung fehlt. – A
Aller, die Angst vor Krankheit und Schmerz haben. – A
Aller, die nach Dir suchen. – A

Wir können dem Leid standhalten, weil es für uns eine Hoffnung gibt, eine Hoffnung, die über das Kreuz hinausgeht. Gehen wir mit Jesus, gehen wir mit allen Leidenden dieser Welt zum Ölberg hinauf, durchleiden wir den Karfreitag mit all seiner Entmenschlichung und Erniedrigung in der Hoffnung:
Der Herr lebt!

MK