Gedanken zum 5. Fastensonntag

Am 5. Fastensonntag hören wir im Evangelium (Johannes 11,1-45) von der Erweckung des Lazarus. Seine Schwester Marta hatte Jesus sagen lassen, dass ihr Bruder krank sei. Doch Jesus wartete noch 2 Tage, ehe er nach Betanien geht. Und da ist Lazarus schon tot!

Wir wissen es, Jesus geht zum Grab und ruft: Lazarus, komm heraus! Und Lazarus kommt! Seine Hände und Füße waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen!

Kein Wort mehr über Lazarus, wie er sich wohl fühlt – was ihn innerlich bewegt. Ich habe viele Fragen an Lazarus: Wo warst du als du tot warst? War es schön dort, wo du warst? Was hast du erlebt? Wärest du gerne dort geblieben, wo du warst? Bist du gerne zurückgekehrt? Jesus und du, ihr wart befreundet; hat eure Beziehung sich jetzt verändert? Kann dein Leben einfach so weitergehen wie bisher? Hast du jetzt Angst vor dem Sterben?

Es sind Fragen, auf die wir keine Antwort bekommen. Und doch bewegen sie uns auch in diesen Krisenzeiten: Wir sind isoliert und doch so sehr aufeinander angewiesen wie noch nie. Ändert sich unsere Beziehung zu unseren Mitmenschen? Ändert sich unsere Beziehung zu Gott? Können wir einfach so weiterleben wie bisher? Was könnte, was sollte sich ändern?

Ein Gebet aus dem Mittelalter kann unsere Sehnsucht nach Leben zum Ausdruck bringen,

Bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.

Bleibe bei uns und allen Menschen. Bleibe bei uns am Abend des Tages, am Abend des Lebens, am Abend der Welt.

Bleibe bei uns mit deiner Gnade und Güte, mit deinem Wort und Sakrament, mit deinem Trost und Segen.

Bleibe bei uns, wenn über uns kommt die Nacht der Trübsal und Angst, die Nacht des Zweifels und der Anfechtung, die Nacht des bitteren Todes.

Bleibe bei uns in Zeit und Ewigkeit.

29. März 2020                          GK